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Die Liebfrauenkirche

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Im Süden vor der Stadt stand schon früh eine der Gottesmutter geweihte Kirche. Um 1219 wurde der große Pfarrbezirk von St. Martin aufgeteilt. Alle Rodungsdörfer südlich des Oberbaches kamen zur Pfarrei Liebfrauen, alle Dörfer nördlich davon blieben bei St. Martin. Diese alte Grenzziehung hat heute noch Bedeutung für das Pfarrleben in der Stadt.

Der Trierer Erzbischof Arnold von Isenburg errichtete 1258 an der romanischen Vorgängerkirche der heutigen Liebfrauenkirche ein Kollegiatstift für einen Dekan und sechs Kanoniker. Die Erhebung der Pfarrkirche zu einer Stiftskirche stand damals sicher im Zusammenhang damit, dass Oberwesel eine Freie Reichsstadt geworden war. Mit dem Bau der heutigen Liebfrauenkirche wurde 1308 begonnen. Der Hochchor mit Goldaltar, Chorgestühl und Lettner war schon vor der Mitte des 14. Jahrhunderts soweit fertig gestellt, dass er von den Stiftsherrn für Gottesdienste und Stundengebete genutzt werden konnte. Der Weiterbau am Langhaus, dem 72m hohen Turm und dem großen Dach zog sich noch bis zum Ende des Jahrhunderts hin.

Die Liebfrauenkirche gilt wegen ihrer Architektur und ihrer Ausstattung als eine der bedeutendsten hochgotischen Kirchen im Rheinland.

Die einzelnen Baukörper weisen klare geometrische Formen auf und verzichten auf alle Schmuckformen. Dadurch weicht die Liebfrauenkirche in ihrer äußeren Erscheinung vom gewohnten Bild einer gotischen Kirche erheblich ab. Die Andersartigkeit setzt sich im Innern fort: Statt schlanker gotischer Säulen mächtige Pfeiler, das Mittelschiff hochaufragend, die Seitenschiffe niedrig angesetzt, das Langhaus durch einen Lettner geteilt, so zeigt sich das Kirchenschiff als ein Raum von beeindruckender Höhe.

Von der großen Fülle bedeutender Kunstwerke in der Liebfauenkirche verdienen besondere Beachtung:
 

Der Goldaltar

Er ist einer der ältesten hochgotischen Schreinaltäre in Deutschland. Der dreiflügelige Altar ist wie die Fassade einer gotischen Kathedrale gestaltet mit prächtigen Rosen, Wimpergen, Pfeilern und Arkaden.

In zwei Zonen übereinander stehen vor Goldgrund die farbig gefassten Figuren. Sie verkünden vom Erlösungswerk Gottes an den Menschen.
 

Der Lettner

Er ist der kunstvolle Abschluss des Hochchores und wie eine steinerne Laube gestaltet. Schlanke Säulen tragen sieben rhythmisch gegliederte Gewölbejoche mit freistehendem Maßwerk von besonderer Qualität. Auf reich verzierten Konsolen stehen die vier Evangelisten. Vom Lettner herab wurden früher Epistel und Evangelium verkündet und sangen die Chorknaben des Stiftes.
 

Altarbilder

Die Liebfrauenkirche besaß als Stiftskirche früher 19 Altäre. Von denen, die erhalten blieben, verdienen besondere Beachtung: Der Nikolausaltar von 1506 im nördlichen Seitenchor, ein Krippenschrein aus der Zeit um 1480, eine Lehrtafel, auf der wie bei einem modernen Comic die aufregenden Ereignisse der letzten 15 Tage vor dem Ende der Welt geschildert werden und der Marthaaltar von 1503 im südlichen Seitenchor.
 

Der Figurenschmuck

Außen am Hochchor steht unter einem Baldachin eine hochgotische Madonna aus der Zeit der Chorweihe um 1330, im Volksmund die „Schiffermadonna“ genannt. Im Kircheninnern ragen wegen ihrer Qualität besonders ein Epitaph von 1515 für Peter Lutern, einem Stiftsherrn aus altem Oberweseler Stadtadel, und das Denkmal für das ritterliche Paar Ludwig von Ottenstein und Elisabeth von Schwarzenberg besonders hervor.
 

Wandmalereien

Von der reichen mittelalterlichen Ausmalung sind noch 25 Wandbilder erhalten.

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